Der Deutsche – mal so gesehen.

Deutscher

Ich will hier niemanden auf die Füße treten, niemand persönlich beleidigen. Ich meine nicht die einzellnen Leute sondern es geht mir um das Bild das ich im Sinn habe wenn ich von diesem „wir Deutsche sind …“lese oder höre.

Ich will jetzt hier gar nicht von Vaterland und Stolz, deren Nützlichkeit oder Unnutzen schreiben….na mal am Rande vielleicht.

Is ja schön für die Leute, die sich an solchen Dingen anlehnen müssen um nicht um zu fallen. Die sich zu einer Gruppe zugehörig fühlen müssen um sich nicht so alleine vor zu kommen. Obwohl…vielleicht geht’s ja da schon los. Die Vereinsmeierei ist ja auch so ein bisschen deutsch.  Ein Verein hat Struktur, eine Hierarchie, ein Oben und ein Unten. Und das Unten steht immer noch über dem Draußen. Wie praktisch also. Da kann sich jeder noch so kleine Hansel über einem Außenstehenden fühlen. Wer drin ist kriegt das Wir-Gefühl frei Haus, selbst wenn er nur die Klos im Kaninchenzüchter-Verein säubert. Ein kleiner Clubbeitrag und zack, erhaben über den Nichtkaninchenzüchter. Ich nehm jetzt mal sowas wie Gemeinnützige aus. Da hat das Vereinsformat wohl eher rechtliche  und finanzorganisatorische Gründe.

Da wären wir auch schon beim Nächsten Punkt. Die liebe Bürokratie. Keiner mag sie und irgendwie schreien doch viele danach. Das gehört doch verboten….schreit sich leicht, heißt aber nichts anderes als: das sollte der Staat reglementieren. „Dass es da kein Gesetz dafür gibt. Da braucht es eine Sonderregelung“, etc. Der Deutsche liebt seine Regeln….und dann das Auslegen der selbigen. Am liebsten so dass man das eigen Gehirn ganz ausschalten kann und nur noch dem Gesetzestext folgen muss. Ist etwas auslegbar, schreit man hier zu Lande nach einem engeren Korsett. So entsteht dieser Wahnsinn an Bürokratie und Reglementierungen. Da braucht man nur mal den Schilderwald auf deutschen Straßen zu betrachten. Mit der Selbstverantwortung hat es der Deutsche eh nicht so wirklich. Ich sag nur: Ampeln am Boden damit man beim Pokemonspielen nicht in eine Trambahn läuft.

Ich muss an dieser Stelle  mal ein Gespräch wiedergeben dass ich mit anhören durfte weil es so lustig war, wenn es nicht so traurig wäre. Es war bei einer, mir von der Behörde nahegelegten, Verkehrsschulung (jaja, ich weiß schon, aber ich gelobe Besserung). Ein  Berufs-LKW-Fahrer, der seinen Kieslaster zum wiederholten Male um ein paar Tonnen überladen hatte und deswegen mit mir und ein paar anderen, die Schulbank drücken musste, und folgenden Dialog mit dem Seminarleiter führte:

Leiter: Telefon am Ohr ist verboten. Schon das halten eines Telefons am Steuer ist nicht erlaubt.

LKW- Fahrer: …aber essen oder rauchen darf ich schon?

Leiter: Ja, das ist erlaubt. Wobei man darauf achten sollte das man durch essen oder rauchen nicht vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird.

LKW-Fahrer: Wenn in meinem Telefon jetzt aber ein Feuerzeug eingebaut ist mit dem Ich meine Kippe anzünden will….

Leiter: Kein Telefon…egal ob mit oder ohne Feuerzeug. Rauchen ja, Telefon nein.

LKW-Fahrer: aber n Gameboy dürfte ich schon. Und wenn ich mir noch n Feuerzeug dran baue….

Der Mann fährt eine 40Tonnen (wenn nicht gerade überladen) schwere Waffe durch die Gegend und verhandelt über die Gesetzesauslegung ohne nur eine einzige Gehirnzelle mit ein zu beziehen…wow.

Wenn es nicht verboten ist dann darf ich es machen. Das ist schon sehr deutsch.

Bei einem Infoabend der Polizei (diesmal freiwillig aus Interesse) kam die Frage nach dem Durchschlängeln von Motorrädern bei Stau auf Autobahnen auf. Da hat es auch gerade eine Petition gegeben das gesetzlich zu erlauben. Wurde zum Glück abgelehnt. Warum zum Glück? Weil Gespanne und riesige, breite Reisedampfer wie eine Goldwing mit Anhänger halt auch als einspurige Fahrzeuge gewertet werden….und wenn es gesetzlich erlaubt ist, dann tun die das auch….ihr versteht? Wenn nicht, seid ihr wahrscheinlich Deutsche ;). Grade im Verkehr sieht man das Deutschtum eh am besten. Bei Grün über die Ampel obwohl man sieht, dass man dann mitten in der Kreuzung steht weil eh Stau ist. Reisverschlusssystem. Vorfahrtsrecht….undundund.

Der beste Freund des Deutschen ist schon lange nicht mehr der Schäferhund. Es ist der Anwalt. Schuld ist sowieso erst einmal der andere. Und wenn es der Anwalt nicht durchdrücken kann, dann war der halt schlecht oder der Richter voreingenommen. Man wurde falsch beurteilt. Alles ungerecht. Ich bin das Opfer. Opferrolle können wir auch prima. Wir Armen zahlen für alles, wir werden nur ausgenutzt, mimimi.  Die buttern uns unter, wir verlieren, mimimi.

German Angst ist ja mittlerweilen sogar ein gebräuchlicher Begriff. Tja, liebe Deutschlandstolzen, war es wohl nix mit dem Bild des großen, blonden Landsers, der durch Eis und Schnee, barfuß, hin und zurück bergauf und in 20facher Unterzahl die überlegenen Horden tapfer zurück schlägt und besiegt. Das ist schon eine Zeit her. Und der deutsche Trottel hat das auch nur gemacht weil die deutsche Obrigkeitshörigkeit in seinem Kopf noch größer als sein Hirnschmalz war. Damals schon zu blöde um richtig zu wählen und danach zu blöde einen Fehler ein zu gestehen und ihn rückgängig zu machen. Dann lieber durch den selbstgeschissenen Haufen durch als was eingestehen und damit, vermeintlich, das Gesicht verlieren. Das soll Stolz sein? Hat sich nicht so viel geändert. Das ist Dummheit. Die Deutschen waren nie besonders mutig sonst wäre sowas wie damals nicht „passiert“.

Heucheln und schlechtmachen, da sind wir auch ganz groß. Die Gretel hat ein Iphone, die isst was in Plastik verpackt war. Ist wahrscheinlich bezahlt ….das was sie sagt und für was sie steht kann man ja damit prima überdecken. Was gut ist, denn sonst müsste man ja mal nachdenken und vielleicht  was bei sich ändern. Ne, wenn die Gretel ein Iphone hat kann ich ja ruhig für 99 cent das Kilo Schwein auf den Grill hauen und mit dem Panzer den Rassemops zum 800 Meter entfernten Tierarzt fahren bevor ich das dritte Mal in diesem Jahr für 30.- in den Urlaub fliegen. Geht alles klar weil die Gretel ja auch die Umwelt mit ihrem Iphone kaputt macht….die Heuchlerin. Und die Chinesen, was die für CO2 Werte haben…na dann brauchen wir ja auch nicht auf die Bremse treten. Wenn der Nachbar einen SUV fährt dann kann ich ja auch…. Die Griechen, selbst Schuld…hätten sie halt weniger Schnellboote von uns gekauft dann könnten sie die Kredite jetzt zurück zahlen. Die Afrikaner konnten ja noch nie arbeiten. Ohne uns würden die die seltenen Erden gar nicht finden. Diese Flüchtlinge haben keinen Charakter wenn sie ihr Land im Stich lassen. Wir lieben die einfachen Antworten und vor allem zeigen wir so gerne mit dem Finger auf andere….Hauptsache nicht vor der eigenen Tür kehren.

Missgunst, Neid, Gier, Schadenfreude, Angst, Engstirnigkeit sind die Substantive, engstirnig, kleingeistig, missgünstig, unfexibel, obrigkeitshörig, unreflektiert, die Adjektive die mir zu Deutschsein einfallen. Höchste Zeit dieses Bild zu ändern…..ach ja, zögerlich hab ich vergessen 😉

Irgendwie steht sich der Deutsche oft selbst im Weg. Wir hätten ja doch Potenzial. Es gibt in diesem Land wirklich großartige Denker, Erfinder, Philosophen, etc. …nur werden die halt echt wenig gefördert. Unsere Wissenschaftler gehen lieber ins Ausland. Die Rahmenbedingungen und Reglementierungen sind da einfach günstiger. Der Nachwuchs wird nicht gefördert. Als Philosoph kannst auch gleich den Taxischein machen und als Erfinder bist Du eine Bedrohung wenn Du einem Konzern die Einnahmequelle durch eine Alternative bedrohst…..da bräuchte es aber wirklich mal ein Gesetz dagegen oder dafür, oder?.

Schämen tu ich mich nicht dass ich Deutscher bin. Stolz bin ich auch nicht. Ich freue mich dass ich hier leben darf und damit ein sicheres und relativ bequemes Leben hab. Ich hab Glück hier geboren zu sein. Kein Grund für Stolz, kein Grund mich besser als andere zu fühlen. Ich liebe diese Gegend. Meine Heimat ist Haidhausen. Ich liebe die Berge. Und ich merk es nicht einmal wenn ich über die österreichische oder Italienische Grenze fahre. Ich kann mit anderen Gegenden nicht so viel anfangen. Den Pott fand ich schrecklich. Der ist für mich Ausland. In Köln hab ich mich fremd gefühlt. In Hamburg waren die Leute nett, in England auch. Ich bin noch nicht so weit rumgekommen aber wo ich mich wohl fühle hat nichts mit dem Namen des Bodens zu tun. Und ein deutscher Fascho ist mir fremder als der Ali der mir nen Ayran ausgibt weil ich ihn nett begrüßt habe und beim letzten Döner Trinkgeld gegeben hab. Ich versuche einen kleinen Teil dazu bei zu tragen das es hier lebenswert bleibt und andere hier auch in Sicherheit leben können. Deren Farbe, Geschlecht, Sexualität etc. ist mir egal. Hauptsache sie wollen auch dass es hier nett bleibt. Leben und leben lassen. Ich versuch einfach nicht allzu typisch deutsch zu sein.

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Die Sache mit dem Maßband

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Einer der prägendsten Momente meiner Jugend war, als mir meine Mutter wohl vermitteln wollte wie kostbar diese Zeit, die wir auf dieser Welt zubringen dürfen, ist. Vorausgeschickt muss ich gestehen eine Zeit ausgeprägter Lethargie und Gleichgültigkeit durchlebt zu haben. Ich dürfte damals so um die 21 Jahre alt gewesen sein.

Dazu nahm sie ein Maßband und eine Schere in die Hand und fragte mich wie lange ich wohl meinte zu leben. Ich glaube dass ich 80 Jahre gesagt habe. Und so schnitt sie bei der 80 cm Markierung das Maßband ab. Danach noch einen Schnitt bei der 21cm Marke. Das nun 59cm lange Mittelstück drückte sie mir in die Hand mit den Worten „…und es wird jedes Jahr um einen Zentimeter kürzer. Deine Wahl was Du damit machst“

….beste Mutter der Welt. Danke

Auch Du bist ein Adler … Lebenshilfe zum Spartarif (Teil I).

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Du stehst vor einem Abgrund? Ich zeig Dir den Weg wie es wieder aufwärts geht.

Dein Unternehmen steht vor der Pleite? Kein Problem, ich führe Dich zum Erfolg.

Du hast grad eine schwere Zeit? Ich erzähl Dir was Du machen musst damit es wieder aufwärts geht.

Kauf mein Buch, abonniere meine Seite, gib mir Geld und ich verrate Dir wie alles gut wird. Ich fütter Dich mit Schmalspurweisheiten, mit Floskeln. Pleite? Glaub an Dich oder entsage dem Materiellen. Tschakka!

 

Ich kann sie nicht ausstehen. Diese Wissenden, diese Erfahrenen, diese Phrasenabspuhlmaschinen.

Diejenigen die gute Tipps geben. Solchen die sich in einer Notlage befinden und nach einem Strohhalm greifen. Solchen denen das Wasser bis zum Hals steht und die verzweifelt nach Lösungen suchen. Solche, die Empathie für Geld, Klicks, oder likes verkaufen. Solchen, die sich schämen bei ihren Freunden Rat zu suchen den sie auch umsonst hätten haben können.

Ich war vor einiger Zeit bei einer Veranstaltung eines bekannten Motivationstrainers. Die riesige Sportarena war ausverkauft, geschätzt viertausend Leute. Die Karte für dieses zweitägige „Seminar“ hätte mal eben über tausend Euro gekostet, die ich mir dank Pressekontakte gespart habe. Ich wollte eigentlich nur wissen wie sowas abläuft und wer dafür so viel Geld hinblättert.

Da saßen sie, die Kleinunternehmer deren Firmen in Schwierigkeiten waren. Die, die Schulden hatten. Die die grade noch schnaufen konnten weil ihnen das Schicksal nicht gut mitgespielt hat. Die Verzweifelten…..und durften sich von der Bühne herunter anhören das in jedem ein Adler steckt auch wenn sie sich gerade für ein Huhn halten. Sie durften sich anhören wie gut es dem Redner ging seitdem er an sich glaubt und dass sie niemals aufgeben sollten…..für über tausend Euro!!!

Verzweifelten Leuten unbrauchbare Ratschläge und flache Lebensweisheiten aus dem Abreißkalender gegen viel Geld zu servieren halte ich für höchst unmoralisch und verwerflich.

Solche Leute sollten sich in Grund und Boden schämen….tun sie aber nicht. Adler schämen sich nicht wenn sie die Hühner rupfen.

carpe diem ….my ass!

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carpe diem  ….my ass!

 

Nutze den Tag.

Ja für was denn?

Warum sollte ich den Tag denn nutzen? Ist es denn nicht ausreichend so einen Tag einfach zu genießen wo es geht?  Es ist doch viel „nützlicher“ wenn ich den einfach bewusst verstreichen lasse und dessen Momente zu leben, so wie ich das gerne hätte.

Wer profitiert denn davon wenn ich so einen Tag nutze? Früh aufstehen und Sachen erledigen heißt die Devise. Meist sind das nur Sachen an die ich auf einer einsamen Insel nicht mal denken würde. Ran an die Arbeit und alles erledigen was mir auferlegt wurde.

Schon alleine dieses Wort „nutzen“ ist doch schon abwertend. Was nutze, oder deutlicher benutze ich denn? Etwas das ich mag? Wohl eher nicht. Oder würden sie ihren Partner, Freunde, Familie nutzen? Ich nutze mein Motorrad um in die Arbeit zu kommen aber ich fahre es wenn der Tag gut ist.

Manchmal muss man so einen Tag nutzen. Vor manchen Sachen kann oder sollte man sich nicht drücken. Aber so ein „carpe diem“ als Lebensmotto auszurufen empfinde ich einem Tag gegenüber als herabwürdigenden…..den ein Tag der genutzt werden muss ist doch irgendwie nicht so gut wie einer der genossen wird, oder?

Siaß’ln

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Siaß‘ln

 

Siaß’ln ist ein sehr bayrischer Ausdruck.

Ich hab ihn schon lange nicht mehr gehört. Doch letztens hat ihn meine Mutter wieder gebraucht und ich hab mich irgendwie sehr gefreut ihn mal wieder zu vernehmen. Wenn auch der Zusammenhang in dem er gefallen ist eher unerfreulich war.

Siaß’ln beschreibt ein übertriebenes Einschmeicheln.

„Du bist die Beste die man sich vorstellen kann. Das ist so toll wie Du das immer machst. Jemand Verständnisvolleren hab ich noch nie getroffen, herzallerliebste blablabla“….ja ne, is klar.

Siaß’ln kommt von süß. Also nicht das niedliche, das naive, das ehrliche Süß, sondern eher von „so süß das einem schlecht davon wird“ oder von dieser süßen Note die Fäulnis haben kann.

Siaß’ln  kommt wohl dem hochdeutschen Heucheln am nächsten. Jedoch muss die Person die siaß’lt das gar nicht aus einer bösen Absicht heraus machen. Manchmal sind diese Leute einfach nur ungeschickt im Umgang mit anderen Menschen oder wissen halt nicht wie man „echt“ ist. Wie ein Kind, das einen Tiger nachmacht und ununterbrochen faucht und die Krallen in die Höhe wirft. Das machen Tiger eigentlich ganz selten. Aber das Kind weiß ja nicht wie man als Tiger tut und fühlt. So imitiert und überspitzt es das, was es sich zusammen gereimt hat. Bei Kindern mag das niedlich sein, bei Erwachsenen eher grotesk.

Unterm Strich bleibt jedoch, wer siaß’lt ist nicht grad raus… und von zu viel süß bekomm ich Sodbrennen.

 

Frankfurt brennt

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Frankfurt brennt

…..und alle sind entsetzt

 

Ja, warum eigentlich? Weil da Besitztümer von Unbeteiligten und Polizeiautos in Rauch aufgehen.

Das mit den Polizeiautos find ich persönlich jetzt nicht so tragisch, solange da keine Polizisten drin sitzen. Und das mit dem anderen Krempel ist sicher bedauerlich für die Besitzer, fällt leider unter „friendly fire“.

Was mich an der ganzen Sache stört ist allerdings das da jetzt Leute, die sich wegen grober Missstände (meiner Meinung zu Recht) aufregen und ihren Unmut raus lassen – weil leider friedliches Demonstrieren, Petitionen und Kundgebungen nichts nützen – als Volksschädlinge und Asoziale hingestellt werden.

Erst wenn Autos brennen wird wahr genommen. Erst wenn Steine fliegen wird hingeschaut. Glaubt irgendjemand, dass Wackerdorf durch einen Blumenkranz verhindert und die französische Revolution in einem Arbeitskreis bei Tee und Gebäck durchgesetzt worden wäre?

Aufgrund dessen, wie wir gerade verkauft, belogen, ausgebeutet und klein gehalten werden wundert es mich eher das nicht öfter mal etwas in Rauch aufgeht. Denn anders hört ja niemand mehr zu.

Leider.